Grundschule Pleinfeld

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Einleitung

Aus der Schulgeschichte Pleinfelds

Der folgende geschichtliche Überblick bis Ende 20. Jhdt.entstammte aus der Feder von W. Mayer, Konrektor i. R. an der Grundschule Pleinfeld (Quelle: Schulgesch. d. Bistum Eichstätt vom Mittelalter bis 1803“ v. F.X. Buchner).

 

Die Pleinfelder Schule kann auf eine mehr fast 500-jährigege Geschichte zurückblicken. Über 25O Jahre lang hatten die Eichstätter Fürstbischöfe die Schulaufsicht in Händen. So stützen sich die heutigen Kenntnisse aus dieser Zeit fast ausschließlich auf Visitationsberichte damaliger kirchlicher Behördenträger.

 


 

16. Jahrhundert: Die Anfänge

Um 1555 wird erstmals ein Nürnberger Schreiber erwähnt, der hier am Ort drei Jahre lang "deutsche Schule" hielt. Gleichzeitig wird der Gerichtsschreiber Linhard Frank genannt, der "lateinische Schule" halten sollte, dieser Aufgabe jedoch niemals nachkam.

Im Jahre l565 unterrichtete hier ein Lehrer aus Orbau ca. 20 Schüler. Von 1578 bis l6l0 wird von dem Schulmeister Hans Kem berichtet, der in der Schulstube als Nebenerwerb eine Zapfenschänke betrieb. Es ist leicht verständlich, dass dieser Zustand den kirchlichen Behörden ein Dorn im Auge war, "denn die Jugend mehr Übles als Gutes von den bezechten Gästen lerne". Vor die Alternative gestellt entweder Schule oder Wirtshaus, entschied sich der Lehrer wohl aus finanziellen Gründen für das letztere, nämlich für die Gaststube. Die ausbleibenden Bezüge für seine Schultätigkeit bewegten den Wirt jedoch zu dem Kompromiss, neben dem Wirtszimmer zusätzlich einen Unterrichtsraum einzurichten.

Dem Visitationsbericht von 1602 zufolge scheint er seinen schulischen Pflichten jedoch nur mangelhaft nachgekommen zu sein.

 


 

1. Hälfte des 17. Jahrhunderts: Krankheit und Siechtum

Im Jahre 1610 wird die Schule in den Torturm des Nürnberger Tores verlegt. Nachdem sich jedoch in den oberen Räumen das „Siechenhaus“ befand, sah sich die Gemeinde wegen der Ansteckungsgefahr veranlasst, den Eichstätter Fürstbischof um geeignete Räume anzugehen. Der Landesfürst gab diesem Ersuchen jedoch nicht statt.

Als Nachfolger trat Leonhard Erch die Lehrerstelle an. Er konnte sich auf 18 Dienstjahre in Lellenfeld berufen und forderte eine entsprechende Aufbesserung der bisherigen ortsüblichen Bezüge, die neben einem Geldbetrag in Naturalien bzw. in Brennholz bestanden. Ein Antrag seitens der Gemeinde an den Fürstbischof um einen Zuschuss wurde mit dem Bescheid abgelehnt, dass den Mehraufwand die Gemeinde selbst zu tragen hätte. Nachdem sich die örtlichen finanziellen Möglichkeiten als zu gering erwiesen, ließ sich der Fürstbischof „für erste Aufstellung eines Schulmeisters und Mesners" bewegen.

 

1629 bemühte sich die Gemeinde erneut beim Fürstbischof um ein anderes Schulhaus, nachdem das Torhaus wegen der Gefahr der Ansteckung endgültig unbewohnbar geworden war.

Während des 30-jährigen Krieges kam der Schulbetrieb zum Erliegen. Nach den Kriegsjahren konnte sich der Ort nur langsam erholen und erst allmählich ein regelmäßiger Schuldienst aufgebaut werden.

Zwischen den Jahren 1659  und 1681 hielt der Lehrer Wolfgang Schreiber Unterricht  im Schulhaus nahe der Kirche. Kamen im Sommer überhaupt keine Kinder zum Unterricht, so waren es während der Wintermonate nur 30 bis 40 Schüler, obwohl insgesamt 80 in Frage kommende Kinder am Ort waren.

Für ein Kind mussten pro Vierteljahr zwölf Kreuzer entrichtet werden. Das ohnehin geringe Schulgeld reichte dem Lehrer vorne und hinten nicht.

Er beklagte sich außerdem über die unzulänglichen räumlichen Verhältnisse im Schulhaus. Der Unterricht wurde deshalb 1681 wieder ins Nürnberger Tor verlegt. Wegen weiterer Erkrankungen von Lehrern und Angehörigen mit Todesfolge musste die Schule zwischenzeitlich in anderen Gebäuden abgehalten werden.

 


 

2. Hälfte des 17. Jahrhunderts: Ein neues Schulhaus

1686 kam es endlich durch den Baumeister Josef Engel zur Planung

eines neuen Schulhauses. Während der zweijährigen Bauzeit bot  ersatzweise eine Bäckerei den Schülern Unterschlupf.

Das am Friedhof entstandene neue Schulhaus erforderte einen Kostenaufwand von insgesamt 743 Gulden, die Generalvikar aufzubringen war.

Wie dem Visitationsbericht von l688 zu entnehmen ist, oblagen dem Lehrer außer seinem Schuldienst  zahlreiche Nebenbeschäftigungen, wie der Organisten- und Mesnerdienst, die zu einer willkommenen Aufbesserung des Einkommens beitrugen. So musste ihm unter anderem der Pfarrer an drei Festtagen "das Mahl geben".

 


 

18. Jahrhundert: Ein neuer Lehrer und seine Leiden

In der Pfarrbeschreibung von l7O6 gab es in Pleinfeld 194 Familien, zu

denen noch 80 auswärtige dazu kamen. Die Gesamtzahl der Kinder

belief sich auf 32O. Davon besuchten im Winter 80 Schüler den Unterricht.

 

Das eingehende Schulgeld bildete nun eine gesunde Basis für ein anständiges Auskommen des Schulmeisters. Eine Einbuße an Einkommen stand ihm jedoch ins Haus, als der Mesnerdienst vom Schuldienst entfernt und einem eigens eingestellten Mesner bzw. Türmer übertragen wurde.

Als Kompromiss für den Verdienstausfall einigte man sich jedoch darauf dass der Mesner dem Schulmeister ein Drittel der "Läutgaben" abzugeben hatte, unter der Bedingung, dass er ihm beim Läuten der Glocken aushelfe.

1737 wurde der Lehrer Lorenz  Martin Merkel auf Veranlassung des Generalvikars eingestellt. Er verspricht:

 

- den vom Generalvikar verliehenen Schuldienst fleißig und getreu zu versehen,

- dem Ordinariat gehorsam zu sein,

- ebenso jeden Pfarrer resignieren,

- in Schulsachen vor keinem anderen als dem Ordinariat und dem Pfarrer Recht zu nehmen.

 

Der sich als sehr tüchtig erweisende Schulmeister geriet jedoch bald in Konfrontation zum damaligen Pfarrer  Forster, der manche Neuerungen einführte, die wiederum eine Mehrbelastung für den Lehrer bedeuteten. Dieser sollte auf Grund seiner Musikalität bzw. wegen der geringen musikalischen Fähigkeiten des Geistlichen verschiedene gesungene Teile der Liturgie in Gottesdiensten und bei Bittgängen übernehmen. Dazu kam noch das "Abrichten" der Ministranten. Trotz anfänglichen Widerstands blieb dem Lehrer aber nichts anderes übrig, als dem Pfarrer vor drei Zeugen wegen Ungehorsams Abbitte zu leisten.

Schulmeister und Chorregent Martin Merkel erfuhr auf Grund seiner Tüchtigkeit ausgezeichnete Beurteilungen.

Neben den Einnahmen aus den Schulgeldern bezog er eine weitere Besoldung vom fürstbischöflichen Kastenamt in Form von Geld und Getreide, dazu 2O Gulden und ein Simra (512 Pfund) Korn vom Pfarrer.

Nachdem man ihm einige Nebentätigkeiten und somit Zuerwerbsquellen entzogen hatte, kam es zu einem größeren Konflikt mit dem Pfarrer. Die Ursache für den Streit waren die Bezüge, die dem Lehrer vom Geistlichen zustanden.

Schließlich landete der Lehrer kurzerhand für acht Tage bei Wasser und Brot im Amtshaus.

Weitere Zwistigkeiten entstanden zwischen Lehrer und Mesner. Beide bewohnten unter äußerst beengten Verhältnissen das Schulhaus - letzterer forderte die Errichtung eines Anbaus, "um von seiner schweren Verantwortung die Buben und Mädlein in der Liegenstatt commiscieren zu müssen", enthoben zu werden.

 

In den Jahren 1759 bzw. l780 richteten der Gärtner Anton Kuhn und der Schloßtorwart von Sandsee "Winkelschulen" in Mischelbach ein. Der fürstbischöfliche Generalvikar verbot jedoch beide Schulen.